Am Mittagstisch, in der Tagesstruktur und in der Spielgruppe treffen Sie Familien mit vielen verschiedenen Sprachen. Ein Elternbrief, der für Sie klar ist, kann für eine Mutter mit wenig Deutsch ein Rätsel sein. Dieser Artikel zeigt, wie Sie mit einfacher Sprache, gezielten Übersetzungen und professionellem Dolmetschen dafür sorgen, dass wichtige Informationen wirklich ankommen.
Drei Werkzeuge für drei Situationen
Nicht jede Mitteilung braucht dieselbe Lösung. Eine einfache Faustregel:
- Einfache Sprache für alles, was Sie schriftlich an alle Eltern schicken: Menüplan, Ferienhinweise, Erinnerungen.
- Übersetzungen für Dokumente, die viele Familien betreffen und länger gültig sind: Anmeldeinformationen, Tarifübersicht, Abmelderegeln.
- Interkulturelles Dolmetschen für Gespräche, in denen es um etwas geht: Eingewöhnung, Sorgen um das Kind, Verhaltensprobleme, Gesundheit, offene Rechnungen oder ein drohender Ausschluss.
Fragen Sie bereits bei der Anmeldung, welche Sprache in der Familie gesprochen wird und ob sich die Eltern für wichtige Gespräche Unterstützung wünschen. Dann wissen Sie es, bevor es dringend wird.
Schriftliches in einfacher Sprache
Einfache Sprache hilft nicht nur Eltern mit wenig Deutsch, sondern allen, die eine Nachricht zwischen Tür und Angel lesen. Einige Grundsätze:
- Das Wichtigste zuerst. Was müssen die Eltern tun, bis wann?
- Kurze Sätze, pro Satz eine Information.
- Konkrete Angaben: «Mittwoch, 2. September 2026, um 11.45 Uhr» statt «nächste Woche über Mittag».
- Keine Abkürzungen und Fachwörter. Interne Kürzel wie «TS», «MT» oder «Modul 3» verstehen Aussenstehende nicht. Wenn ein Fachbegriff nötig ist, erklären Sie ihn in einem Satz.
- Aktive Formulierungen: «Bitte melden Sie Ihr Kind bis Freitag ab» statt «Abmeldungen sind bis Freitag vorzunehmen».
- Bilder und Symbole für Listen, etwa was ein Kind in die Spielgruppe mitbringen soll.
- Ankreuzen statt Freitext in Formularen, wo immer es geht.
Lassen Sie einen neuen Text von jemandem lesen, der Ihren Betrieb nicht kennt. Wo diese Person stockt, stocken auch die Eltern. Einen Elternbrief zum Start, den Sie als Grundlage nehmen können, finden Sie unter Vorlagen.
Übersetzungen: gezielt statt flächendeckend
Sie müssen nicht jedes Schreiben in zehn Sprachen anbieten. Überlegen Sie, welche Dokumente für viele Familien wichtig sind und selten ändern, und welche Sprachen in Ihrem Betrieb tatsächlich gesprochen werden. Gute Kandidaten sind:
- die Erklärung zur Anmeldung und zu den Betreuungszeiten
- die Regeln bei Krankheit und Abwesenheit, siehe auch Abmeldefristen sinnvoll regeln
- die Tarifübersicht und wie eine Reduktion beantragt wird
- das Vorgehen im Notfall
Bei verbindlichen Dokumenten wie Reglementen und Verträgen lohnt sich eine professionelle Übersetzung. Halten Sie in der Übersetzung fest, dass die deutsche Fassung massgebend ist. Automatische Übersetzungsprogramme können im Alltag helfen, eine kurze Nachricht zu verstehen oder zu formulieren. Für Regeln mit Folgen, etwa zu Kosten oder Kündigung, sollten Sie sich aber nicht ungeprüft darauf verlassen.
Es gibt bereits viel übersetztes Material, auf das Sie verweisen können. Der Kanton Zürich etwa stellt Elterninformationen in vielen Sprachen bereit, die das Schulsystem erklären. Auf seiner Informationsseite für Schulen hält er fest, dass die Schule Eltern bei Gelegenheit auf Material in ihrer Sprache hinweist.
Interkulturelles Dolmetschen für wichtige Gespräche
Interkulturelles Dolmetschen ist laut INTERPRET, der schweizerischen Interessengemeinschaft für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln, die mündliche Übertragung des Gesprochenen von einer Sprache in eine andere unter Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrunds der Gesprächsteilnehmenden. Es findet im sogenannten Trialog statt, einem Gespräch zu dritt. Die Gesprächsleitung liegt dabei immer bei der zuständigen Fachperson, also bei Ihnen.
Der Kanton Zürich hält auf seiner Informationsseite für Schulen fest, dass qualifizierte interkulturell Dolmetschende auch die sozialen und kulturellen Hintergründe berücksichtigen und Missverständnisse erkennen und in Absprache mit der Gesprächsleitung klären können. Der Kanton Aargau nennt als Ziel, Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse den Zugang zu Angeboten zu erleichtern und kostspielige Missverständnisse zu vermeiden.
Dolmetscheinsätze können vor Ort, per Telefon oder per Video stattfinden. Laut INTERPRET eignet sich der Einsatz vor Ort besonders für geplante, längere und emotional anspruchsvolle Gespräche. Telefon eignet sich eher für kurze, einfache Gespräche.
Wo Sie Dolmetschende finden
In der Schweiz gibt es laut INTERPRET rund 20 regionale Vermittlungsstellen, über die Einsätze organisiert werden sollen. Beispiele aus den Kantonen Aargau, Zürich, Luzern und Zug:
- Aargau: Der Kanton verweist auf HEKS Linguadukt und verbilligt die Einsätze mit kantonalen Subventionsbeiträgen.
- Zürich: Der Kanton nennt unter anderem medios der AOZ, HEKS Linguadukt und die Vermittlungsstelle der Stadt Winterthur.
- Luzern: In der Liste von INTERPRET ist der Dolmetschdienst Zentralschweiz von Caritas Zentralschweiz aufgeführt.
- Zug und weitere Kantone: Die nächstgelegene Stelle finden Sie in der Übersicht von INTERPRET.
Ob die Kosten von der Gemeinde, der Schule oder Ihrer Trägerschaft getragen werden, ist unterschiedlich geregelt. Klären Sie das mit Ihrer Gemeinde, bevor der erste Einsatz nötig wird.
Warum Kinder nicht dolmetschen sollten
Oft liegt es nahe, das ältere Geschwister oder das Kind selbst übersetzen zu lassen. Der Kanton Zürich ist hier für Schulen deutlich: Schülerinnen und Schüler werden nie damit beauftragt, bei Elterngesprächen zu übersetzen. Für Betreuungsangebote gilt dasselbe aus gutem Grund. Kinder geraten in eine Rolle, die nicht zu ihnen passt, sie müssen über sich selbst oder ihre Familie berichten, und niemand kann prüfen, was wirklich übersetzt wurde.
Auch Bekannte oder Verwandte der Familie sind keine neutrale Lösung, vor allem wenn es um heikle Themen geht. Für kurze organisatorische Fragen im Alltag kann eine solche Hilfe genügen. Für wichtige Gespräche nicht.
Das Gespräch gut vorbereiten
Ein Gespräch mit Dolmetscherin oder Dolmetscher verläuft anders als ein gewöhnliches Elterngespräch. INTERPRET nennt einige zentrale Punkte:
- Zeitrahmen, Inhalt und Ablauf vorher festlegen
- Rollen klären und auf die Schweigepflicht hinweisen
- die Eltern direkt ansprechen, nicht die dolmetschende Person
- einfache Sprache und kurze Sätze verwenden
- einen grosszügigen Zeitplan einrechnen
Nehmen Sie sich vor dem Gespräch ein paar Minuten, um die dolmetschende Person über das Thema zu informieren, und danach kurz für einen Rückblick. Halten Sie Vereinbarungen am Ende schriftlich in einfacher Sprache fest.
Checkliste
- Familiensprache und Wunsch nach Dolmetschen bei der Anmeldung erfragen
- Elternbriefe und Aushänge in einfacher Sprache verfassen und testen
- wichtigste Dokumente gezielt übersetzen, deutsche Fassung als massgebend bezeichnen
- Vermittlungsstelle für Ihre Region kennen, Kostenfrage mit der Gemeinde klären
- keine Kinder als Dolmetschende einsetzen
- Gespräche mit Dolmetschen mit genug Zeit planen und Ergebnisse schriftlich festhalten
Quellen
- Factsheet Interkulturelles Dolmetschen – INTERPRET
- Interkulturelles Dolmetschen – INTERPRET
- Vermittlungsstellen für interkulturelles Dolmetschen – INTERPRET
- Interkulturelles Dolmetschen – Kanton Aargau
- Zusammenarbeit mit mehrsprachigen Eltern – Kanton Zürich
- Informationen für Eltern in vielen Sprachen – Kanton Zürich
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Vorgaben von Kanton und Gemeinde gehen vor.